Auf Fehmarn sind 24 Einzelmaßnahmen geplant, darunter vier neue Bahn- und Bundesstraßenquerungen – eine davon als Spezialquerung. Denn im Bereich Avendorf/Hochfelder Mühle sind die Herausforderungen ungleich größer als an anderen Orten: Aufgrund der Bodenverhältnisse, der geplanten Länge von rund 80 Metern, der hohen Anzahl der Leitungen und der Vorgaben der Deutschen Bahn wird ein spezielles Bohrverfahren angewandt.
Dabei kommt ein sogenanntes Microtunnel-Bohrgerät zum Einsatz. Das Bohrgerät schafft eine Bohrung für ein Mantelrohr mit einem Außendurchmesser von 960 Millimetern. In das Mantelrohr werden dann diverse zusätzliche Schutzrohre für die verschiedenen Leitungen eingezogen. Denn in der Querung sollen eine Mitteldruck-Gasleitung, zwei 30 Kilovolt-Mittelspannungsstromkabel, ein 11 Kilovolt-Mittelspannungsstromkabel sowie ein Datenkabel Platz finden. Allein für diese Maßnahme investiert SH Netz, ein Unternehmen der HanseWerk-Gruppe, circa eine Million Euro. Die gesamten Umbaukosten für die Insel Fehmarn liegen bei rund drei Millionen Euro.
Am Mittwoch haben Arbeiter der Firma Witte Spezialtiefbau, die im Auftrag der HanseWerk-Tochter SH Netz das Microtunneling-Verfahren ausführt, den Bohrkopf in dem 6 m tiefen Startschacht eingesetzt. Der Bohrkopf wiegt 4,7 Tonnen. Am gleichen Tag sind auch die Bohrarbeiten gestartet.
„Mit dem Microtunneling-Verfahren können wir den vielfältigen Herausforderungen im Bereich Avendorf/Hochfelder Mühle gerecht werden“, sagt Holger Radde, Projektleiter Netzbau Süd-Ost bei SH Netz, das zur HanseWerk-Gruppe gehört. „So wird eine sichere Querung der Bahntrasse ermöglicht.“
SH Netz, eine Tochter von HanseWerk, nutzt das Microtunneling-Verfahren zum ersten Mal. Dabei wird mittels eines Vortriebsgerätes mit Presse und Bohrkopf ein Polymerbeton-Rohr vorgetrieben. Nachdem der Startschacht ausgehoben ist, wird ein fernbedienter Vortriebskopf auf der Pressstation, die am Startschachtboden installiert ist, abgelegt und in den Erdboden hineingepresst. Je nach geologischen Bodenbedingungen kommen unterschiedliche Bohrköpfe zum Einsatz. Auch bei weiteren Querungen könnte das Microtunneling-Verfahren zum Einsatz kommen.
Für den geplanten Fehmarn-Sundtunnel ist außerdem ein Ausbau des Netzes auf der Ostseeinsel erforderlich. Auf insgesamt 11 Kilometern Länge werden neue, leistungsstarke Stromkabel verlegt. Des Weiteren werden vier moderne digitale Ortsnetzstationen gebaut. In Albertsdorf und Avendorf werden jeweils vorhandene Ortsnetzstationen ausgetauscht sowie eine zusätzliche in Blieschendorf und in Avendorf neu aufgestellt. In Avendorf wird außerdem ein Mittelspannungsschaltschrank neu installiert.
Die digitalen Ortsnetzstationen lassen sich von der Netzleitstelle von SH Netz, einem HanseWerk-Unternehmen, in Rendsburg fernsteuern. Damit wird den Haushalten auf der Insel künftig noch mehr Versorgungssicherheit geboten und das Netz außerdem fit für zukünftige Bedarfe wie beispielsweise Tourismus, Wärmepumpen und Elektromobilität gemacht. Rund zwei Millionen Euro investiert die HanseWerk-Tochter SH Netz für die neue Netzinfrastruktur auf Fehmarn.
Doch nicht nur auf der Ostseeinsel, sondern auch auf dem Festland sind für die Fehmarnbeltquerung diverse Neuverlegungen von Versorgungskabeln erforderlich. Um den Fehmarn-Sundtunnel ans Netz anzuschließen, werden auf rund sieben Kilometern Länge zwischen dem Umspannwerk Lütjenbrode und dem Tunnelportal der Fehmarnsundquerung zwei neue 11 Kilovolt-Leitungen verlegt.
Zudem ersetzt SH Netz, das Teil der HanseWerk-Gruppe ist, auf rund neun Kilometern Länge eine bestehende 30 Kilovolt-Freileitung durch Mittelspannungskabel zwischen Lütjenbrode und Großenbroder Fähre. Die Freileitung wird anschließend zurückgebaut. Die Leitung ist eine von mehreren 30 Kilovolt-Versorgungsleitungen für Fehmarn. Die Kosten für diese Maßnahme betragen etwa 1,5 Millionen Euro.
„Mit den Baumaßnahmen rund um die Fehmarnbeltquerung schafft SH Netz alle Voraussetzungen, um die Netzinfrastruktur in Ostholstein und auf Fehmarn fit für die Zukunft zu machen“, so Holger Radde, Projektleiter Netzbau Süd-Ost beim HanseWerk-Unternehmen SH Netz.