In einer umfangreichen Forschungsübersicht, die im renommierten "British Journal of Sports Medicine" veröffentlicht wurde, wird die frühzeitige Wiederaufnahme körperlicher Aktivitäten durch Frauen nach der Geburt als wesentlich für die Förderung der Gesundheit und das allgemeine Wohlbefinden hervorgehoben. Diese Studie, eine Meta-Analyse von 221 randomisiert kontrollierten Studien, legt nahe, dass regelmäßige körperliche Betätigung signifikant zur Verringerung des Risikos postnataler Depressionen, Angstzustände, Harninkontinenz und Rückenschmerzen im Lendenbereich beiträgt, während sie gleichzeitig die Gewichtsabnahme unterstützt.
Die Autoren der Leitlinie empfehlen, dass Mütter bereits in den ersten zwölf Wochen nach der Entbindung mit leichten bis moderaten Übungen beginnen sollten, einschließlich zügigem Gehen, Radfahren und Krafttraining. Die vorgeschlagene Dauer beträgt mindestens 120 Minuten pro Woche, verteilt auf vier oder mehr Tage, abhängig von der individuellen gesundheitlichen Verfassung der Mutter und ohne medizinische Kontraindikationen wie Schmerzen im Bereich von Kaiserschnittnarben oder anhaltende vaginale Blutungen.
Des Weiteren wird das tägliche Beckenbodentraining hervorgehoben, um langfristige Probleme wie Harninkontinenz vorzubeugen. Darüber hinaus raten die Forscher dazu, sitzende Tätigkeiten auf weniger als acht Stunden pro Tag zu reduzieren und die Bildschirmzeit auf unter drei Stunden zu beschränken. Diese Empfehlungen zielen darauf ab, den Müttern zu helfen, sich sowohl körperlich als auch mental von den Anforderungen der Schwangerschaft und Geburt zu erholen.
Die Leitlinien berücksichtigen auch die spezifischen Herausforderungen des Lebens mit einem Neugeborenen, wie den beeinträchtigten Schlaf durch die nächtliche Versorgung des Kindes. Daher wird eine Schlafumgebung empfohlen, die dunkel, kühl und ruhig ist, um die Schlafqualität zu maximieren. Trotz der fundierten Vorteile der vorgeschlagenen Maßnahmen erkennen die Autoren an, dass die Umsetzung der Empfehlungen in der Praxis variieren kann, abhängig von den individuellen Lebensumständen und den Pflegeanforderungen des Säuglings.
Kommentar:
Die neuesten Richtlinien zur körperlichen Betätigung nach der Geburt setzen einen fortschrittlichen Standard für die Gesundheitsfürsorge von Müttern. Sie zeigen ein tiefes Verständnis dafür, wie integral körperliche Aktivität für die Erholung und langfristige Gesundheit von Frauen nach der Geburt ist. Indem sie maßgeschneiderte Empfehlungen bieten, die sowohl machbar als auch anpassbar sind, anerkennen die Forscher die vielfältigen Erfahrungen von Müttern weltweit.
Es ist jedoch entscheidend, dass diese Empfehlungen von einem unterstützenden Netzwerk aus Gesundheitsdienstleistern, Familienmitgliedern und der Gemeinschaft begleitet werden. Die Herausforderungen des Mutterseins, besonders in den ersten Wochen und Monaten, sind enorm, und der Zugang zu klaren Informationen und Ressourcen kann entscheidend sein. Langfristig könnten solche Leitlinien nicht nur das Wohlbefinden von Müttern verbessern, sondern auch zu einer gesünderen Gesellschaft beitragen, indem sie den Grundstein für eine lebenslange Gewohnheit gesundheitsfördernder Aktivitäten legen.
Die Förderung dieser Praktiken sollte jedoch nicht nur Aufgabe der Einzelnen sein; vielmehr ist eine strukturierte Unterstützung durch das Gesundheitssystem erforderlich, um sicherzustellen, dass alle Mütter, unabhängig von ihrem sozioökonomischen Status oder Wohnort, Zugang zu den notwendigen Werkzeugen für eine erfolgreiche Umsetzung dieser Empfehlungen haben.
Von Engin Günder, Fachjournalist