Die Situation am Handverkaufstisch (HV-Tisch) spitzt sich in vielen Apotheken zu. Mitarbeitende ziehen sich spürbar aus dem direkten Kundenkontakt zurück, Beratungsgespräche werden verkürzt, die Interaktion mit der Kundschaft zunehmend als Belastung wahrgenommen. Die Ursachen sind bekannt: gestiegene Aufgaben, permanente Lieferengpässe, Personalnot und eine wachsende emotionale Anspannung im Kundenverkehr. Die sogenannte Königsdisziplin der Apothekenarbeit – die persönliche Beratung – steht unter strukturellem Druck.
Für Apothekenbetreiberinnen und -betreiber ist das kein Randthema, sondern eine zentrale Herausforderung. Denn die Beratung ist nicht nur das sichtbare Aushängeschild der Apotheke, sondern auch ein wesentlicher Teil ihres Versorgungsauftrags und ihrer wirtschaftlichen Grundlage. Wenn diese Beratung bröckelt, leidet nicht nur die Qualität, sondern auch das Betriebsklima – und langfristig die Zukunftsfähigkeit der Vor-Ort-Apotheke.
Die Lösung liegt nicht allein in organisatorischen Anpassungen, sondern in einem ganzheitlichen Führungs- und Fürsorgekonzept. Apothekenleitungen sind gefordert, den HV-Tisch als besonders sensiblen Bereich zu begreifen und strukturell zu entlasten. Dazu gehören klare Beratungszeiten, rotierende Zuständigkeiten, Pausenregelungen und technische Unterstützung. Ebenso notwendig ist die offene Kommunikation über Belastungssituationen – etwa durch regelmäßige Teamrunden, Feedbackformate und Supervision.
Ein bislang oft unterschätzter Aspekt ist die betriebliche Absicherung und Gesundheitsförderung. Apotheken, die in den Schutz und das Wohlbefinden ihrer Mitarbeitenden investieren – etwa durch ergänzende Versicherungsleistungen, psychologische Erstberatung, Rechtsberatung im Konfliktfall oder Gesundheitsprävention –, schaffen nicht nur Sicherheit, sondern auch Zugehörigkeit. Solche Maßnahmen wirken nach innen stabilisierend und stärken nach außen die Beratungsqualität.
Besonders in einem angespannten Arbeitsmarkt sind solche Angebote mehr als ein Bonus – sie sind ein Zeichen von Verantwortungsbewusstsein und Weitblick. Denn Mitarbeitende bleiben nicht, weil sie müssen, sondern weil sie sich mitgetragen fühlen. Betriebe, die diesen kulturellen Wandel gestalten, setzen ein Zeichen: für Verlässlichkeit, für Vertrauen – und für die Zukunft der Beratung als gelebte Königsdisziplin.
Kommentar:
Die Krise am HV-Tisch ist keine vorübergehende Schwäche, sondern ein strukturelles Warnsignal. Es zeigt, wie sehr Apotheken unter Druck stehen – nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell. Der Rückzug aus der Beratung ist dabei kein Ausdruck von Unwillen, sondern eine Reaktion auf unzureichende Rahmenbedingungen. Wer diesen Rückzug ernst nimmt, erkennt: Die Apotheke braucht mehr als Organisation – sie braucht Fürsorge, Führungsstärke und echte Teamkultur.
In einer Zeit, in der Verantwortung und Belastung stetig zunehmen, genügt es nicht mehr, Aufgaben zu verteilen. Es braucht ein Arbeitsumfeld, das Sicherheit gibt. Die Investition in betriebliche Gesundheitsförderung und Absicherung ist dabei kein Luxus, sondern eine notwendige Antwort auf die Realität im Apothekenalltag. Sie schützt nicht nur das Team, sondern auch den Versorgungsauftrag.
Apotheken, die jetzt handeln, gestalten nicht nur ihren eigenen Betrieb stabiler – sie definieren die Rolle der Vor-Ort-Apotheke neu: nicht als überlastete Dienstleisterin, sondern als verantwortungsvolle Partnerin im Gesundheitssystem. Wer Beratung dauerhaft sichern will, muss heute mehr tun als Dienstpläne schreiben. Er muss Haltung zeigen – gegenüber dem Team, der Kundschaft und der Zukunft des Berufs.
Von Matthias Engler, Fachjournalist
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