Die Veranstaltung in der Mensa im Cecilienkoog bot eine Plattform für den Austausch von Perspektiven – von regionalen Unternehmen, insbesondere aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien, und den politischen Vertreterinnen und Vertretern im Bundestag. Im Fokus standen sowohl bundespolitische als auch regionale Themen.
Kontroverse Diskussionen
Besonders kontrovers wurden der Entschließungsantrag der Unionsfraktionen und das von CDU/CSU eingebrachte „Zustrombegrenzungsgesetz“ im Bundestag diskutiert. Leif Bodin (CDU) verteidigte den Antrag als notwendiges Signal und schloss zugleich jede Form der Zusammenarbeit mit der AfD aus. Gyde Jensen (FDP), die beiden Anträgen der Union zugestimmt hatte, hätte eine Abstimmung nach der Bundestagswahl befürwortet und sich eine bessere Impulskontrolle von Unionskanzlerkandidat Friedrich Merz gewünscht. Auch bei der Zuwanderungspolitik gingen die Meinungen auseinander. Während Leif Bodin für ein neues Zustrombegrenzungsgesetz plädierte, argumentierten Truels Reichardt (SPD) und Lukas Knöfler (SSW), dass die konsequente Durchsetzung der bestehenden Gesetze ausreiche.
Ein weiterer Streitpunkt war die von der FDP geforderte Verschiebung der Klimaneutralität auf 2050. Gyde Jensen bezeichnete dies als Schutzmaßnahme für die eigene Wirtschaft, während Fabian Faller (Grüne) betonte, dass gerade jetzt Innovation und Marktführerschaft gefragt seien, um langfristig Vorreiter zu bleiben. Ove Petersen ergänzte mit dem Beispiel Dänemarks, das zu Zeiten der Ölkrisen die Ölheizungen im Land durch Wärmepumpen ersetzen ließ – mit der Folge, dass Dänemark bis heute Branchenführer in der Wärmepumpentechnologie sei. Und Lukas Knöfler führte die geografische Lage Schleswig-Holsteins ins Feld, wonach man sich später nicht zurückholen könne, was man jetzt an den Klimawandel verlöre.
Die Frage, welche Partei mit ihrem Wahlprogramm kleine und mittlere Einkommen am besten entlasten würde, führte ebenfalls zu angeregten Diskussionen, bei denen die Kandidatinnen und Kandidaten ihre unterschiedlichen Konzepte vorstellten. Truels Reichardt hielt der CDU vor, mit ihrem Programm und entgegen ihren Aussagen nicht kleine und mittlere sondern in erster Linie höhere Einkommen zu entlasten.
Mehr Einigkeit bei regionalen Themen
In Bezug auf eine CCS-Verpressung in der Nordsee äußerten sich Leif Bodin und Gyde Jensen skeptisch, während Truels Reichardt, Lukas Knöfler und Fabian Faller ihre grundsätzliche Ablehnung zum Ausdruck brachten. Auch die Bedeutung der Infrastruktur auf dem Land wurde hervorgehoben, sowohl in Bezug auf den öffentlichen Nahverkehr – mit Rufbus, Marschbahn oder autonomem Fahren – als auch im Hinblick auf die ärztliche Versorgung der Menschen auf dem Land.
In seinem Appell an die politischen Vertreter unterstrich Ove Petersen: „Was wir Unternehmen in jedem Fall von der Regierung brauchen, ist Verlässlichkeit und Sachlichkeit. Wir brauchen wieder eine Kultur der Bereitschaft, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.“ Er hob außerdem die Bedeutung der Erneuerbaren Energien für die Daseinsvorsorge hervor. Seiner Meinung nach trügen diese erheblich zur Stärkung des öffentlichen Raums bei und schafften Arbeitsplätze und förderten die regionale Wertschöpfung.
Abschlussrunde mit Gemeinsamkeiten
Moderiert wurde der Talk von Inga Landgrebe (Public Affairs GP JOULE) und Jürn Kruse (Unternehmenskommunikation GP JOULE). Zum Abschluss bestand die Aufgabe der Kandidierenden darin, Ziele für die Westküste zu nennen, auf die sich möglichst alle würden einigen können. Das gelang ohne große Mühe. So war man sich einig, dass beim Ausbau der Erneuerbaren Energien die Schritte nach der Energieerzeugung – wie Umwandlung, Verteilung und Sektorkopplung – stärker voranzutreiben seien. Auch sprachen sich alle Kandidierenden für den zügigen Ausbau der B5 und der Marschbahn aus, um die regionale Infrastruktur zu stärken. Ein weiterer Konsens bestand darin, dass die medizinische Versorgung auf dem Land verbessert werden müsse, und dass Bildung und Chancengleichheit mehr Aufmerksamkeit und zusätzliche Bundesmittel benötigten.
In seinem Schlusswort dankte Ove Petersen den Kandidatinnen und Kandidaten für ihr politisches Engagement und betonte die Bedeutung von Zuversicht und Mut in der Politik. Er erklärte: „Ich hoffe auf eine mutige Regierung, die viel von dem umsetzt, was wir hier besprochen haben. Wenn die Demokratie siegt, haben wir alle etwas davon. Und was die Erneuerbaren anbetrifft, da bin ich ganz entspannt: Wir sind einfach die Günstigen.“
GP JOULE bedankt sich bei allen Gästen – auf dem Podium und im Publikum – für die engagierte Teilnahme und die konstruktive Diskussion. Die Veranstaltung hat gezeigt, dass von den Erneuerbaren Energien enorme positive Schubkraft ausgeht – für die kommunale Wertschöpfung und den Wirtschaftsstandort Deutschland.