Bei der EN ISO 19085-6 für Tischfräsmaschinen wurde die bisherige Ausgabe von 2017 überarbeitet und bringt einige Neuerungen für die Hersteller solcher Maschinen.
Hinweis zur Konformitätsvermutung: Eine Veröffentlichung der neuen Norm im EU-Amtsblatt zur Maschinenrichtlinie 2006/42/EG ist bisher noch nicht erfolgt. Ein entsprechender Durchführungsbeschluss zur Aufnahme der neuen Norm und Streichung der Ausgabe von 2017 im Rahmen einer 1,5-jährigen Übergangsfrist wird für 2025 erwartet. Eine Hilfestellung dazu, welche Normenausgabe am besten anzuwenden ist, finden Sie in unserem Fachbeitrag zum Thema "Normenaktualität vs. Konformitätsvermutung".
Nachfolgend finden Sie einen kurzen Überblick über die wichtigsten Änderungen:
1. Änderungen und Neuerungen
1.1 Schutzeinrichtungen (Abschnitt 6.5 → 5.5)
- Klarstellung: Zusätzliche Maßnahmen nach ISO 14119:2013, Abschnitt 7.2, sind nicht erforderlich. → Eine absichtliche Umgehung der Schutzeinrichtungen wird als unwahrscheinlich angesehen.
- Streichung nicht anwendbarer Schutzsysteme:
- Elektro-sensitive Schutzsysteme (ESPE)
- Druckempfindliche Schutzsysteme (PSPE)
→ Diese gelten künftig nur noch als optionale Schutzmaßnahmen.
- Präzisere Maßvorgaben für Schutzeinrichtungen, z. B.:
- Mindestabstände gemäß EN ISO 13857:2019 - Zusätzliche Anforderungen an Schutzmaßnahmen je nach Bearbeitungsart → Details siehe nachfolgende Punkte.
- Detaillierte Anforderungen an:
- Sichere Gestaltung von Führungssystemen
- Abdeckungen
- Neue Anforderungen an:
- Spezielle Schutzvorrichtungen für gekrümmte Werkstücke
- Haltevorrichtungen
- Einführung von Anforderungen an:
- Feste und verstellbare Schutzvorrichtungen
- Maschinenschlitten und Schiebetische
- Neue Sicherheitsmaßnahmen speziell für die Glassleitsäge.
- Präzisierung: Detaillierte Schutzvorrichtungen für die Antriebseinheiten der Maschine.
- Beide Normversionen fordern Maßnahmen zur Lärmreduktion.
- Neu: Die aktuelle Norm enthält eine umfassende Methode zur Lärmmessung – dargestellt im Anhang F.
- Die neue Version gibt nun explizit an, dass die Maschinen für den kontinuierlichen Produktionsbetrieb ausgelegt sein müssen.
- Ergänzte Sicherheitsmaßnahmen: Erweiterte Vorgaben für Steuerungen, Not-Halt, Maschinenbewegungen und Schutzvorrichtungen.
- Neue Testverfahren: Zusätzliche Prüfmethoden für Standsicherheit im Punkt 5.1 und Anhang C, Bremsfunktion im Punkt 4.5 und Anhang D, Aufprallfestigkeit von Schutzeinrichtungen im Punkt 5.7 und Anhang E wurden aufgenommen. Die Punkte in den Anhängen verwiesen wiederum auf die EN ISO 19085-1:2021
- Normative Verweisungen aktualisiert: Die neuen Verweise beziehen sich auf ISO 19085-1:2021 statt auf die frühere Version von 2017.
Die neue Version (2024) enthält eine umfassendere und präzisere Beschreibung der Schutzmaßnahmen. Besonders hervorzuheben sind:
- Neue Anforderungen für das Zapfenschneiden und gebogene Werkstücke.
- Klarere Definitionen für Schutzvorrichtungen an verschiedenen Maschinenteilen.
- Erweiterte Schutzmaßnahmen für Antriebselemente und Glasleistensägen.
Wolfgang Reich
Fachreferent CE-Kennzeichnung und Safexpert HTL Elektrotechnik, Schwerpunkt Energietechnik (Dipl.-HTL-Ing.), 20 Jahre Erfahrung im Bereich CE-Kennzeichnung, Maschinensicherheit, Umbau von Maschinen, Elektrotechnik und Explosionsschutz, 10 Jahre davon bei TÜV Austria und Intertek Deutschland GmbH. Vorsitzender der Meisterprüfungskommission in der Wirtschaftskammer Steiermark für Mechatronik (Automatisierungstechnik und Elektronik).
E-Mail: wolfgang.reich@ibf-solutions.com